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Vereins-Chronik

 

 

ereits Jahre vor der Jahrhundertwende wurde in Roth, wie in vielen anderen Städten auch ein „Velociped-Club" gegründet. 

Diese Velocipedisten-Clubs, in denen die bürgerliche Schicht dem Radfahren nachging, erreichten eine hohe Anzahl von Vereinen und hohe Mitgliederzahlen. Sie schlossen sich wiederum in Verbänden wie dem „Deutschen Radfahrerbund oder der „Allgemeinen Radfahrerunion" zusammen.

Da die ziel- und klassenbewussten Arbeiterradfahrer eingesehen hatten, dass sie in diese bürgerlichen Vereine und Verbände nicht hinein gehören, gründete in Roth ein kleiner Kreis von Sportbegeisterung erfüllter Männer am 8. Januar 1900 den Radfahrerclub „Vorwärts". Gründungsmitglieder waren u.a. die Sportfreunde Böhm, Mildner, Braun (Meckenlohe), Bromm (Pruppach), Krodel und Schwarz. Als Vereinsgaststätte wurde die Gaststätte Georg Nothelfer (Gasthaus zum goldenen Hirschen) ausgewählt. Zur damaligen Zeit war dies der wichtigste Versammlungsort der Stadt.

Dabei wurden in dem neuen Verein neben gesellschaftlichen und kulturellen Zielen zweifellos auch politische Ziele verfolgt. Rasch entwickelte sich ein lebhaftes Vereinsgeschehen mit regelmäßigen Tourenfahrten.

Am 6. Juli 1901 wurde das 1. Stiftungsfest mit einem Korsofahren durch die Stadt und einem Konzert in der damaligen Restauration Reinwald gefeiert. Das anschließende Abendprogramm untermalte der Bruderverein aus Fürth mit Einlagen im Kunst- und Reigenfahren.

Schon kurz darauf musste zu Unstimmigkeiten gekommen sein. Ob es die politische Ausrichtung des Vereines oder andere Gründe waren ist nicht bekannt. Jedoch gründete sich am 17. September 1902 wurde unter Vorsitz von Johann Böhm, der bis dahin dem Radfahrerclub „Vorwärts" vorstand, ein weiterer Fahrradclub: Die Radfahrervereinigung „Frisch Auf". Dieser Verein war von Anfang an äußerst aktiv. Mindestens einmal pro Woche wurde bei einem Vereinsmitglied eine Zusammenkunft abgehalten. An jedem Wochenende und an jedem Feiertag wurden Ausfahrten in die nähere und weitere Umgebung, sowie zu anderen Radfahrervereinen durchgeführt. Nahezu im gleichen Maße wie die Aktivitäten in der Radfahrervereinigung „Frisch Auf" zunahmen, wurde es um den Radfahrerklub „Vorwärts" ruhiger.

Im April 1903 begannen erste Gespräche über eine Vereinigung der beiden Vereine. Die Verhandlungen scheinen sich schwierig gestaltet zu haben, denn am 21. Januar 1904 gab die Vorstandschaft des Radfahrerklub „Vorwärts" seinen Mitgliedern bekannt, dass sich der Name in „Radfahrerverein Roth" ändert und der Verein unter diesem weiter bestehen wird. Im gleichen Jahr wurde die Radfahrervereinigung „Frisch Auf" Mitglied im deutschen Arbeiter-Radfahrerbund.

Am 20. September 1904 schloss sich der Radfahrerverein Roth schließlich doch der Radfahrervereinigung „Frisch Auf" an. Die Aktivitäten des Vereines wurden erweitert und man nahm in die Reihe der Veranstaltungen einen Faschingsball, ein Frühjahrs- und ein Herbstkränzchen, sowie eine Weihnachtsfeier mit Theaterspiel auf.

Am 9. Juni 1907 konnte man das 7. Stiftungsfest feiern. Bereits um 5 Uhr morgens begannen die Festlichkeiten mit einem Preislangsamfahren. Am Nachmittag fuhr ein Fahrradkorso vom damaligen Felsenkeller durch die Stadt zur Vereinsgaststätte Georg Nothelfer. Beim anschließenden Festabend zeigten Fahrradreigen aus fünf Vereinen ihr Können.

 

Mit Beginn des 1. Weltkrieges im Jahr 1914 kam das Vereinsgeschehen immer mehr zum Erliegen, da nahezu alle Mitglieder für „Kaiser, Volk und Vaterland" an die Front geschickt wurden. Die Mitgliederzahl sank bis 1918 auf 6. Doch wie überall regte sich mit Ende des Krieges auch bei den Radfahrern aus Roth bald wieder das Vereinsleben. 1921 wurde der Saalsport auf Tourenrädern in Angriff genommen.

Nach monatelangem harten Training konnten diese Sportler schließlich ihr Können der Öffentlichkeit zeigen. Im Jahre 1925 beging man das 25jährige Vereinsjubiläum mit Standartenweihe. Die Mitgliederzahl war wieder auf 105 angewachsen. Dazu zählten auch 27 Frauen.

Ermutigt durch den Erfolg bei den Schaufahren, wurden für bessere Trainingsbedingungen 6 Saalmaschinen angeschafft. Dies ermöglichte den Sportlern erstmals bei Bezirks- und Gaumeisterschaften teilzunehmen.

Am 24. und 25. Mai 1930 feierte der Verein noch sein 30jähriges Stiftungsfest. Als besondere Attraktionen veranstaltete man ein 50 km Straßenrennen in der Münchener Straße, gefolgt von einem 100m Langsamfahren. Beim Kommersabend zeigte der damalige Olympiameister Georg Scharf aus Zirndorf sein Können auf dem Kunstrad. Ebenfalls dabei: Kunstradreigen aus Roth und Nürnberg.

Doch bereits 3 Jahre später erfuhr das rege Vereinsleben eine seiner schwärzesten Stunden: Nach der Machtübernahme des NS-Regimes wurde gemäß §1 der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 der Arbeiter- Rad- und Kraftfahrerbund mit Sitz in Offenbach und damit alle Ortsverbände verboten. Am 17. Mai 1933 wurde das Verbot und die Auflösung des ARKB Solidarität vollzogen und das Eigentum in allen Orten, wo Ortsgruppen bestanden beschlagnahmt. Diesem Schicksal konnte sich auch die Ortsgruppe Roth nicht entziehen. Am 1. Dezember 1933 wurde der Verein aufgelöst,  und mit dem damaligen Arbeiter- Turn- und Sportverein Roth, der ebenfalls aufgelöst wurde in der Turnerschaft Roth zusammengeführt. Das Vereinsvermögen, die Unterlagen und das gesamte Material wurden beschlagnahmt. Dies machte man so gründlich, dass aus der Zeit vor 1933 keine nennenswerten Unterlagen oder Erinnerungsstücke mehr erhalten sind. Glücklicherweise war es dem damaligen Kassier Johann Georg Hutzler gelungen, wenigstens die Vereinsstandarte vor dem Zugriff der Nazischergen zu bewahren und über die Kriegszeit zu retten.

Im Jahr 1948 wurde die Ortsgruppe Roth unter dem 1. Vorsitzenden Martin Braun wieder aufgebaut. Schon 2 Jahre später konnte das 50jährige Jubiläum abermals mit Standartenweihe begangen werden.

Im Jahr 1954 übernahm Johann Seitz die Vereinsführung und Martin Braun rückte auf den Sessel des 2. Vorsitzenden. Dieses Gespann lenkte die Geschicke der Rother „Soli" bis zum Jahre 1960 gemeinsam.

Ebenfalls 1954 wurde eine Rollschuh-Abteilung gegründet und der Verein besaß bereits wieder 12 Saalräder, 12 Einräder (davon die Hälfte jeweils gebraucht), 1 Kunstfahrmaschine und 6 Paar Rollschuhe. 1955 kam eine Moped -Abteilung dazu. Im gleichen Jahr war der ARKB Solidarität Roth Ausrichter der deutschen Meisterschaften im 2er Radball.

1956 entschied die Vereinsverwaltung, dass der Verein eine Fördermitgliedschaft im Bayerischen Rotes Kreuz annimmt. Ein Jahr später war die Mitgliederzahl auf 177 angewachsen und 1960 erreichte die Ortsgruppe Roth eine Stärke von 137 Mitgliedern. Martin Braun verließ die Vorstandschaft und an seine Stelle als 2. Vorsitzender trat Willi Wagemann. Als zusätzliches Angebot an die Vereinsmitglieder wurde das Pfingstzeltlager in Reinwarzhofen in das Programm aufgenommen.

Im Jahr 1964 änderte die Solidarität Offenbach ihren Namen von ARKB in RKB. Ein Jahr später folgte die Rother Solidarität diesem Beispiel. Gleichzeitig entschied man, die Amtszeit der Verwaltungsmitglieder von 1 auf 2 Jahre zu verlängern.

 

1966 verstarb der 1. Vorsitzende Johann Seitz und Willi Wagemann übernahm bis zu den vorgezogenen Neuwahlen die Vereinsführung. Am 26. November 1966 übergab er den Kommandostab an Heinrich Wild und Hanno Bäunlein. Bereits zwei Jahre später musste Heinrich Wild den Vereinsvorstand wegen gesundheitlicher Probleme wieder abgeben und Hanno Bäunlein wurde 1. Vorsitzender. Ihm zur Seite stand Gerhard Taubmann als 2. Vorsitzender. Ebenfalls in diesem Jahr konnte ein großer sportlicher Erfolg gefeiert werden: Der 6er Jugend-Einradreigen Mädchen wurde deutscher Meister. Im Jahr 1971 waren 5 Mannschaften des RKB Solidarität Roth bei den deutschen Hallenradsport-Meisterschaften startberechtigt.

1973 entschied man sich dafür, das Zeltlager von Reinwarzhofen nach Morsbach zu verlegen, wo es noch heute zu finden ist. Ebenfalls 1973 erkämpfte der 4er Einradreigen Jugend weiblich den Titel des deutschen Vizemeisters.

Auch beim RKB Solidarität mit Sitz in Offenbach standen Änderungen an: Man entschied sich dafür, die Bezirke neu zu gliedern und den Regierungsbezirken anzugleichen. Der bis dahin bestehende Bezirk 15, zu dem auch die Rother Solidarität gehörte ging im neuen Bezirk Mittelfranken auf.

Das Jahr 1975 hätte nach dem Willen der Vereinsleitung ganz im Zeichen des 75jährigen Jubiläums stehen sollen. Alle Mitglieder fieberten dem großen Ereignis entgegen. Doch ein schwerer Verkehrsunfall beim alljährlichen Pfingstzeltlager in Morsbach, bei dem 2 junge Mitglieder starben und 2 schwer verletzt wurden entsetzten und lähmten den Verein.

Die bereits angesetzten Termine für die Jubiläumsfeier wurden zunächst abgesagt und dann auf den Oktober verschoben. In dieser sehr schweren Zeit führte Martin Braun die Vereinsgeschicke. Mit Hilfe von Hanno Bäunlein trieb er vehement die Eintragung des RKB Solidarität Roth in das Vereinsregister des Amtsgerichtes Schwabach voran.

Am 12. Juni 1976 führte der RKB Solidarität zum letzten Male verbandseigene deutsche Meisterschaften durch. Austragungsort war Moers. Hier konnte noch einmal gegen eine große Konkurrenz ein beachtlicher 4. und 7. Platz errungen werden.

1977 übernahm Hans Hofmann als 1. Vorsitzender den „Kommandostand". Ihm zur Seite stand Hanno Bäunlein als 2. Vorsitzender. Mit dem sportlichen Zusammenschluss zwischen RKB und BDR knickte die gewohnte Erfolgskurve durch die große und starke Konkurrenz der BDR-Sportler ein. Die Vertreter unseres Vereines traten in dieser Zeit nur noch auf Bezirks- und Landesebene in Erscheinung, konnten aber stets vordere Plätze belegen. Um den Sportlern im ruhigeren 2. Halbjahr nochmals einen Anreiz zu sportlichen Leistungen zu geben wurde im Jahr 1979 die Vereinsmeisterschaft aus der Taufe gehoben. Bis in die heutige Zeit bildet sie den Abschluss des Sportjahres und gibt den Eltern die Möglichkeit, sich über die sportliche Entwicklung ihrer Sprösslinge zu informieren.

Das Touren- und Wanderfahren wurde in 70er Jahren verstärkt in das Vereinsgeschehen aufgenommen. Die Mitglieder der Rother Soli waren von den Sternfahrten auf Bezirks- und Landesebene bald nicht mehr wegzudenken. So konnte der Verein durch seine starke Mitgliederbeteiligung ab 1982 mehrere Male in Folge einen Wanderpokal des Bezirkes Mittelfranken erringen. Bis 1982 verfügte der Verein sogar über die erfolgreichste Jugendgruppe Mittelfrankens.

Im Jahre 1981 fand in der Vorstandschaft ein beachtlicher Generationswechsel statt. Dieter Wirth wurde, damals 23-jährig, zum 1. Vorsitzenden gewählt. Als ruhender Pol und erfahrener Streiter für die Interessen des Vereines fungierte Martin Braun als 2. Vorsitzender in der stark verjüngten Vorstandschaft. Dass sich diese junge Vorstandschaft bewähren konnte, ist letztlich ihm und der damaligen Verwaltung zu verdanken.

1989 war für den Verein und seinem Jugendleiter ein außergewöhnliches Jahr: Die Vollversammlung des Kreisjugendringes Roth unter Vorsitz des damaligen KJR-Vorsitzenden Walter Schnell ehrte den langjährigen Jugendleiter der Solidarität Roth August Muschweck.

Mit den Worten, "ein typischer Jugendleiter, der seit vielen Jahren im Stillen eine hervorragende Arbeit leistet" wurde ihm die Ehrenurkunde des Bayerischen Jugendringes für hervorragende Leistungen in der Jugendarbeit übergeben.

1990 konnte das 90. Vereinsjubiläum angegangen werden. In der Turnhalle des TSV Roth wurde der Festabend begangen. Untermalt und unterstützt von Sportlern des RV Adler Bechhofen und des RKB Solidarität Frohnlach, sowie einer Showeinlage der Rother Einradfahrer war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Sozusagen als Jubiläumsgeschenk gelang es den Sportlern der Rother Solidarität, sich wieder gegen die immer noch beachtliche Konkurrenz frei zu schwimmen und wieder Erfolge über die Bezirks- und Nordbayerische Ebene hinaus zu verbuchen.

Im Jahr 1991 musste der Verein von seinem Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzenden Martin Braun Abschied nehmen und 1992 verstarb unser letztes Gründungsmitglied Sportfreund Alois Kellner. Bei den Neuwahlen im Jahr 1993 stieß Stadtratsmitglied Renate Schaffer zur Solidarität und übernahm den 2. Vorsitz.

1994 fand die sportliche und Jugendarbeit des RKB Solidarität Roth auch auf Landkreisebene Beachtung. Bei den Vereinsmeisterschaften in diesem Jahr war Landrat Herbert Eckstein als Gast anwesend und übergab dem Verein zur Nachwuchsförderung eine Kunstradmaschine.

Im Jubiläumsjahr beteiligte sich der RKB Solidarität Roth auf Anfrage und Anregung des Touristikbeauftragten der Stadt Roth neben weiteren Vertretern der Stadt mit einer Saalwette an der Sendung "Bayernchampion" des Bayerischen Rundfunks.

Dies hatte einen positiven Einfluss auf den Bekanntheitsgrad unseres Vereines. Denn trotz unserer langen und bewegten Vereinstradition betreiben wir mit unseren Sportlern eine Randsportart mit der so mancher leider nichts rechtes anzufangen weiß.

Bis in die heutige Zeit ist es den Mitgliedern gelungen, den Idealen unserer Gründungsväter treu zu bleiben. Der Wahlspruch „Wenn einer für den anderen steht, so nennt man dies Solidarität" ist so aktuell wie eh und je.

Möge es dem Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität Roth 1900 e.V. vergönnt sein, auch in Zukunft seinen Idealen treu zu bleiben und durch Sport und Kameradschaft seinen Weg erfolgreich fortzusetzen.